sich kreuzende baggerspuren im sand

amsel ist faul, ungeduldig, geizig und gierig … über nachhaltigkeit im alltag und amsels tücken.

statt amsels beste persönliche tipps zur nachhaltigkeit zu teilen, versucht amsel hier zu strukturieren, was für sie förderlich und was hinderlich ist bei der umsetzung einer nachhaltigen lebensweise.
inspiriert durch die vom brüllmausblog initiierte blogparade – danke für die schöne idee!

a) einfach für amsel umzusetzen…

sind alle verhaltensweisen, die „reibungsfrei“ ihren vorlieben entsprechen. amsel ist z.b. froh, nicht über das was gerade mode ist, nachdenken zu müssen, sondern in ihren alten wohlfühlklamotten rumzulaufen. amsel haßt autofahren. amsel fühlt sich beengt von zu vielen gegenständen um sie herum. ausmisten befreit amsel immer.

b) relativ leicht findet amsel es…

neue verhaltensweisen zu entwickeln, wenn diese ihre gewohnheiten nicht zu stark herausfordern und sich nicht nach verbot/verzicht anfühlen. dazu gehörte z.b. für amsel, spülschwämme durch baumwoll-waschlappen zu ersetzen, brauchwasser aus der dusche für die waschmaschine zu nutzen (eimer…) und von kuh- auf getreidemilch umzustellen. auf das thema tetrapack kommt amsel nochmal separat…

c) schwerer für amsel umzusetzen

…sind alle verhaltensweisen, die ihre „schlechten eigenschaften“ berühren:
amsel ist faul, bequem und ungeduldig
1) einkäufe für lebensmittel plant amsel nicht immer vorher, sondern sie geschehen oft spontan. der klassiker: im supermarkt ein brötchen kaufen wollen, aber der beutel aus stoff liegt natürlich zu hause oder befindet sich in der tasche, mit der amsel NICHT unterwegs ist.
2) amsel schleppt nicht gerne schwer. überkommt amsel das gelüst auf saft, wird es meist doch wieder ein tetrapack statt einer pfand-glasflasche.
3) manche dinge bekommt amsel generell nur in tetrapacks, z.b. reismilch.
4) die beiden unverpackt-läden in der stadt liegen nicht auf amsels alltagsrouten.
5) amsel geht nicht gerne einkaufen. dementsprechend hat amsel oft keine lust, für einen einkauf nochmal fahrzeit obenauf zu packen, um in einen laden am anderen ende der stadt zu erreichen.
6) manche dinge kauft amsel neu, weil sie zu faul ist, diese gebraucht zu suchen. (nicht alle, s.u.)

amsel ist gierig und geizig zugleich

nachhaltigkeit kann heißen, weniger geld auszugeben (z.b. für klamotten oder gegenstände, die amsel nicht wirklich braucht). es kann aber auch bedeuten, bewußt mehr geld auszugeben, z.b. für lebensmittel aus biologischer landwirtschaft oder für fair produzierte/gehandelte ware.
daran hakt amsel immer wieder, obwohl es ihr vom kopf her natürlich klar ist, daß bio nicht gleich viel kosten kann wie konventionell. nur zum teil hat das etwas damit zu tun, daß amsel gefühlt nicht viel geld verdient (ohnehin relativ: im vergleich zu hartz 4 empfänger*innen ist amsel reich).
amsel erwischt sich oft beim geiz. merkt, daß sie nach etwas gebrauchten sucht, weil es ihr neu zu teuer ist, amsel aber so gierig danach ist, es zu haben. amsel sucht also nicht immer deshalb etwas gebrauchtes, um ressourcen zu sparen. (zuschicken lassen muß sie es ja ggf. auch noch… soviel zum potentiellen ökologischen fußabdruck, den auch gebrauchte dinge haben können).

amsel neigt zu digitalem suchtverhalten

amsel fragt sich manchmal, wo bei ihr eigentlich die – ich nenne es mal – zeit-nachhaltigkeits-grenze bei der suche nach gebrauchtem ist. amsel kann mit dieser sucherei sehr viel zeit verbringen, denn:
a) amsel will oftmals die perfekte beute erjagen
b) das internet ist ein ungleich größerer einkaufsladen als die ganze stadt
c) amsel hat ohnehin immer die tendenz, zu lange in internet hängen zu bleiben
d) und dann rutscht amsel oft auch noch oft in eine haltung, einen besonders „günstigen“ preis finden zu wollen (s.o.).
kraß ausgedrückt: gier, sucht und geiz begleiten amsel schnell bei der suche nach etwas gebrauchtem. und das sind alles verhaltensweisen, die amsel eher ablegen als fördern will…

c) sehr unrealistisch für amsel umzusetzen

… sind verhaltensweisen, die ihr einfach keinen spaß machen, z.B.: kosmetik und lebensmittel selber machen. amsel liebt es zwar, regale zu zimmern oder ihr fahrrad zu reparieren. aber in der küche stehen, um hautcreme oder brotaufstriche herzustellen – das ist nicht amsels ding. der gedanke daran fühlt sich immer nach „vertaner zeit“ an, die amsel lieber für anderes nutzen will.

amsels größte baustelle für eine veränderung zu nachhaltigkeit im alltag

… sind alle neuen verhaltensweisen, die zeit zum wissen-aneignen, dran-bleiben, und unangenehme-erkenntnisse-aushalten erfordern. der hauptgrund, warum amsel (und vielleicht auch andere) an manchen punkten erst gar nicht anfängt, über ein nachhaltigeres verhalten auch nur nachzudenken, ist etwas, was amsel für sich mit „entfremdung“ bezeichnet.
autos machen lärm und stinken, das erinnert offensichtlich daran, daß sie die umwelt verpesten. aber viele dinge, wo es z.b. für das thema nachhaltigkeit relevant ist, wo/wie/von wem/unter welchen bedingungen/mit welchen materialien sie hergestellt wurden, sind gefühlsmäßig komplett von diesen realen fakten entkoppelt1.

das, wie es sich anfühlt und das, was dahinter faktisch an ethischen problemen, ökologischen skandalen etc. steht, ist für mich meist emotional völlig voneinander getrennt. ich bringe das eine nicht mit dem anderen in verbindung. und das ist ja auch nicht gewollt, da diese produkte alle weiter verkauft werden sollen. (ein grandioses beispiel für diese art von manipulativer werbung findet amsel smoothies mit dem namen „unschuldig“, die in winzig kleinen plastik-wegwerf-flaschen verkauft werden.)

die große hürde am anfang ist es also immer wieder für amsel, nicht bei dem bequemen gefühl, daß schon alles ok mit dem produkt sein wird, stehen zu bleiben. sondern aktiv herauszufinden, was dahinter steht. das geht nicht, ohne sich auch mal mit strukturen auseinandersetzen, wie diese ganzen kreisläufe und systeme funktionieren. wie image „gemacht“ wird. wer von was wie profitiert etc. das setzt die bereitschaft, zu recherchieren und sich selbst mit unangenehmem zu konfrontieren, voraus.
sich als verbundenes teil in einem großen ganzen zu verstehen, hilft amsel, aus verdrängung wie auch aus einem handeln aus schlechtem gewissen den „anderen“ gegenüber auszusteigen.

Wir sind hier, um von unserer Illusion der Getrenntheit aufzuwachen. Alles, was wir für uns selbst tun, tun wir auch für andere, und alles, was wir für andere tun, tun wir auch für uns selbst.
Thích Nhất Hạnh

für amsel ist dieser prozeß auch nicht ohne ein nachdenken über geld möglich.
geld ist symbol – für freiheit, erfolg, status. es ist symbol für anerkennung. für welche arbeit – die nicht glücklich macht, ungesund ist -„entschädigt“ uns welcher stundenlohn? was sind dafür die kriterien, ob wir etwas als „billig“ oder „teuer“ empfinden oder denken, es hat einen „angemessenen preis“? geld kann als druckmittel eingesetzt werden (bestechung oder drohung mit geldentzug…) – auch als macht der käufer*innen. geld wird als „belohnung“ genutzt – für sich selbst (ich gönn mir jetzt was) oder andere (kauf dir was schönes). kaufen wollen verdeckt bei amsel oft innere leere. und amsel wird nicht aus den „konsumverlockungen“ herausfinden, ohne sich das bewußt zu machen. das erfordert den mut, danach zu suchen, was amsel eigentlich für ein bedürfnis2 hat (wenn die neue tasche gerade so verführerisch erscheint) und wie amsel sich dieses wirkliche bedürfnis anders erfüllen – und ggf. auch erstmal ihre innere leere aushalten kann.

…und was war da mit den tetrapacks?

ein riesiges problem für amsel, die nicht viel selbst herstellt oder im unverpackt-laden kauft, sind die verpackungen, auch von bio oder fairtrade produkten.
amsel hätte sehr gern, daß wenigstens die „ökologischen“ oder „ethischen“ anbieter von lebensmitteln sich auf gemeinsam verwendete größen für pfandbehäter einigen. für transport und lagerung sind die optimal platzsparend designten tetrapacks vermutlich „genial“. trotzdem: die firmen, deren produkte amsel kauft, immer wieder deutlich und beharrlich drauf hinweisen, daß amsel sich als verbraucherin was anderes wünscht als diesen verpackungsmüll tetrapack!
warum gibt es keine reis- und hafermilch etc. in pfandflaschen? her damit!! bei anderen getränken geht das doch auch. es gibt ja zum glück nicht nur unschuldige smoothies…

veränderung ist arbeit.

1 Wir wissen nicht, woher die Sachen kommen, Beziehungen sind anonym, und wir sehen nicht die wahren Konsequenzen der Produktion und der Entsorgung von Gütern – das alles hindert uns daran, eine Bezogenheit zu spüren. (Charles Eisenstein)

2 eine für amsel schöne und leichtverständliche einführung in das thema bedürfnisse und gewaltfreie kommunikation findet sich z.b. im niemblog

Ein Gedanke zu “amsel ist faul, ungeduldig, geizig und gierig … über nachhaltigkeit im alltag und amsels tücken.

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